Werner Kallmeyer Atelier
Werner Kallmeyer Atelier

Ausstellungen 2014 - 2016

2014

Leuchtende Bilder von Werner Kallmeyer

-iks- Initiative Künstler in der Söhre. 

Ausstellungseröffnung am 1. Juni 2014 um 16 Uhr in der Kulturscheune Söhrewald-Eiterhagen.

Irene Schütze:

Eröffnungsrede. Bilder von Werner Kallmeyer in der Kulturscheune von Eiterhagen

Die rund dreißig Bilder, die Sie hier sehen, sind fast alle in den letzten vier Jahren entstanden. Zwei allerdings stammen aus den 1970er Jahren, wenngleich sie sich stilistisch nicht von den aktuellen Bildern unterscheiden. Alle hier ausgestellten Werke sind gegenständliche Bilder, die an den Stil naiver Malerei wie jener von Henri Rousseau erinnern.

Schwierige Botschaft. 1976. 30x40.

34 Jahre liegen zwischen dem Bild mit dem Titel "Schwierige Botschaft", das einen Mann in nachdenklicher Pose zeigt, der sich von seiner idyllischen Umgebung abwendet, und dem Bild mit dem Titel "Zugelaufen", das eine Frau in einem ähnlich idyllischen Garten darstellt. Unter Kunsthistorikern gilt es ja heute fast als verpönt, nach der Biografie eines Künstlers zu fragen: Die Kunstwerke stehen schließlich für sich - unabhängig von ihrem Schöpfer. Dennoch fragt man sich, was ist hier passiert, dass ein Faden nach 34 Jahren wieder aufgenommen wird?

Zugelaufen. 2010. 30x40.

Diejenigen unter Ihnen, die Werner Kallmeyer kennen, wissen, dass er sich in all diesen Jahren, als er nicht mehr zum Malen kam, als Linguist mit der menschlichen Kommunikation auseinandersetzte - mit lauter "schwierigen Botschaften", wenn Sie so wollen. Das letzte Bild aus den 1970er Jahren scheint mir nämlich paradigmatisch auf die wissenschaftliche Tätigkeit des Sprachforschers zu verweisen. 2006 ging Werner Kallmeyer schließlich in den Ruhestand, legte seine Tätigkeit als stellvertretender Direktor des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim und Leiter der Abteilung Pragmatik nieder. Wie üblich bei pensionierten Wissenschaftlern beendete er seine wissenschaftliche Arbeit nach dem "offiziellen" Ruhestand jedoch nicht. Ja, ich hatte sogar den Eindruck, dass er seine Forschungsaktivitäten sogar noch verstärkte und Vorträge rund um den Globus hielt (auf jeden Fall war es nicht ganz leicht einen Termin für eine gemeinsame Wanderung zu finden). 2010 kam dann die Erkenntnis: "Ich muss nicht so weitermachen wie bisher" und die Neugier, herauszufinden, welche anderen Aktivitäten man aufnehmen könnte.

 

Werner erinnerte sich an das Malen. Das erste Bild, das nach der langen Mal-Pause entstand und das den Titel "Zugelaufen" trägt, zeigt eine Frau, die mit angewinkelten Beinen auf einer Gartenliege im Grünen sitzt. Sie betrachtet wohlwollend eine Katze am Fuß ihrer Liege. Die Katze wendet ihren Kopf dem Betrachter zu. Ihre Augen hat sie zu schmalen Sehschlitzen verengt.

Das nächste Bild heißt "Auf dem Rückweg". Es zeigt einen Mann und zwei Frauen, die auf einem gewundenen Pfad dem Betrachter entgegengehen. Der Mann liegt etwas hinter den Frauen zurück, er zieht sich die Kappe tiefer ins Gesicht. Die Haare der beiden Frauen, die sich im Bildvordergrund befinden, werden nach hinten gepustet. Offenbar hat die Gruppe der Rückkehrenden mit Gegenwind zu kämpfen. Beide Frauen lächeln, wirken aber auch leicht erschöpft. Kein Wort scheint zu fallen. Die Figuren scheinen sich allein auf ihr Vorwärtsgehen zu konzentrieren.. Dadurch dass die Körper der beiden Frauen angeschnitten sind, sieht es so aus, als ob sie beim nächsten Schritt aus dem Bild heraustreten wollten.

Auf dem Rückweg. 2010. 30x40.

Das dritte Bild heißt "Etwas festhalten" - sein Motiv hat Ähnlichkeiten mit dem Bild "Schwierige Botschaften" von 1976. Auch hier schaut ein Mann nicht in das ihn umgebende Grün, sondern wendet sich bewusst davon ab. Der Blick des Mannes schweift am Betrachter vorbei. Es ist ein Blick ins Leere, gedankenverloren. In seiner rechten Hand hält der Mann einen Stift in der Schwebe, während die linke Hand ein Papier festhält. Das vor ihm liegende Paper ist noch unbeschrieben.

Etwas festhalten. 2011. 30x40.

Die drei Bilder, die unmittelbar nach der langen Pause des Nicht-Malens entstanden sind, zeigen, dass Werner Kallmeyer sich in seiner Malerei für das Ambivalente interessiert. Das Dargestellte sieht schön aus, ist auch schön, aber auch irgendwie anders. Ein merkwürdiges Gefühl beschleicht einen als Betrachter. Wir erinnern uns an ähnliche Situationen und erkennen, dass wir sie erst im Nachhinein zu schätzen wissen. Manchmal muss man etwas ändern, um das Schöne situativ zu erleben. Beim Betrachten der Bilder von Werner Kallmeyer musste ich unweigerlich an ein Buch des italienischen Philosophen Stefan Zecchi über "La Belleza" denken, in dem er über Johann Wolfgang von Goethes Konzept des "Augenblicks" reflektiert.

 

"Werd ich zum Augenblicke sagen:

Verweile doch! du bist so schön!

Dann magst du mich in Fesseln schlagen,

Dann will ich gern zugrunde gehen!,

 

sagt Faust, als er auf den Pakt mit Mephistopheles eingeht. Viele von Werner Kallmeyers Bilder geben dem Betrachter das Gefühl, genau diesen besonderen Augenblick zu erkennen. Die in den Bildern dargestellten Personen scheinen sich dieses Augenblicks aber nicht bewusst zu sein, da sie in ihre alltäglichen Handlungen und kommunikativen Situationen eingebunden sind. Sie sind nicht in der Lage, aus sich herauszutreten- genau wie wir im realen Leben.

 

Werner Kallmeyer thematisiert das Heraustreten aus der Situation aber auch in seinen Bildern - nämlich dann, wenn er Surreales einfügt. Surreale Motive sind z.B. seine "grauen Figuren". Wie Geister aus dem Jenseits betrachten sie die Handlungen auf Erden und eröffnen einen Metadiskurs über verfahrene Sitationen oder zeigen fehlende Inspiration auf.

Surreale Momente zeigen sich zudem in jenen Bildern, die sportliche Aktivitäten thematisieren: Die Handlungen erscheinen hier wie in Zeitlupe, als ob sich der Augenblick dehnen ließe. Beispielhaft dafür ist das Bild "Ausflug": Die fünf jungen Frauen, die gerade zu einem kollektiven, lustvollen Sprung ins Wasser abheben und in der Schwebe zu verharren scheinen.

Ausflug. 2013. 70x80.

Andere Bilder erinnern an Filmszenen. Sie führen typische oder ideale Situationen vor: etwa "Grete in Bestform auf dem Weg zu Heinrich F.". Goethes Gretchen ist bei Werner Kallmeyer zu einer starken Frau mutiert, die sich ins gesellschaftliche Abseits kaum drängen lassen wird, wenn man ihre Körpersprache richtig deutet.

 

 

"Der Don feiert" führt dagegen eine Szene vor, die an einen Mafiafilm erinnert: Die Musiker stehen des Nachts wie selbstverständlich auf den Dächern der Häuser bereit, wenn der Boss mit seiner Dame auf dem verwaisten Dorfplatz Wange an Wange tanzen will, derweil ihn eine weitere Frau in graziler Haltung vom Dach aus beobachtet.

Mein Vater Fritz, den nicht nur eine langjährige Arbeitsbeziehung, sondern auch eine lange Freundschaft mit Werner Kallmeyer verbindet, sagte mir: "Aus meiner Sicht führt Werner seine soziolinguistische Arbeit in seinen Bildern fort." Das scheint mir auch so zu sein. Und: das ist ein guter Trick, lieber Werner - zumal wir uns als Geisteswissenschaftler heute ja nicht am "linguistic turn", der "Wende zur Sprache" abarbeiten, sondern nun den "visual turn", die Bildwelten, entdeckt haben. Da ist es nur konsequent nicht mehr allein mit Worten über Kommunikationssituationen und menschliches Handeln nachzudenken, sondern in Bildern. Bilder, die zeigen, wie sich zwischenmenschliche Situationen ergeben, wie schön, aber auch wie seltsam das Alltägliche sein kann, wie sprachlos wir häufig der Welt gegenüberstehen. Mach weiter so, aber vergiss nicht, auch ab und zu ins Grüne zu schauen!

Bilder einer Ausstellung

2015

 

Kunst im Dorf

 

Ort: Suttorf, 49326 Melle-Neuenkirchen, Suttorfer Str. 9

 

11. + 12. 7. 2015

 

 

2016

Was sonst noch geschah

Geschichten in Bildern

Werner Kallmeyer

vom 19. Juni bis 03. Juli 2016

in der Kulturscheune Söhrewald-Eiterhagen

 

Ausstellungseröffnung am 19. Juni um 16.00 Uhr

Musikalische Begleitung: Michael Geise & Frank Sommerfeld

 

Öffnungszeiten von Fr. - So. 17.00 - 19.00 Uhr

 

Eine Veranstaltung der -iks- Initiative Künstler in der Söhre  

Tel.: 05608 2879 oder 758

                  

   

    

 

 

 Fotos: Gisela Brünner

 

 

 

   

     

         

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